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 Die Kraft der Kräuter

Seit Urzeiten werden Wildpflanzen als Nahrungsmittel, als Heilmittel und für rituelle Zwecke verwendet. Einst waren die Rituale des Ernährens und Heilens die Domäne der Frau und Mutter, der Hüterin des Lebens. Und das Wissen um die Heilkraft der Pflanzen wurde von Generation zu Generation mündlich weitergegeben.

Jahrhundertealte Rezepte für Tees, Öle und Bäder werden heute nicht mehr einfach als Zauber und Aberglaube abgetan. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen mittlerweile ihre Wirkung. Natürlich heilen heißt jedoch, an die Selbstheilungskraft des Körpers glauben. Dabei sollten die Pflanzen und das Wasser den Organismus anregen, sich verstärkt gegen die Krankheit zu wehren.

"Alle Wiesen und Matten,
alle Berge und Hügel sind Apotheken."

                              
Paracelsus

Grundsätzlich ist es besser, Kräuter in der Apotheke zu kaufen. Nur wer sich gut auskennt, sollte sich seine "Naturapotheke" selbst zusammenstellen. Für diesen Fall einige Hinweise:

  • Lernen Sie die Pflanzen erst gründlich kennen; gehen Sie das erste Mal z.B. mit einem Pflanzenkundigen auf die Suche, oder besuchen Sie einen Kurs über Heilpflanzen.
  • Achten Sie auf die Jahreszeit, in der gesammelt werden darf: Viele Pflanzen sollen z.B. vor der Blütezeit gesammelt werden.
  • Nur gesunde Pflanzen entfalten ihre volle Wirkung.
  • Sammeln Sie nur auf Wiesen und an Waldrändern fernab von befahrenen Strassen und Industriezonen.
  • Nicht auf taufrischen Wiesen sammeln oder nach Regen. Nach der Abtrocknung des Taus ist der Wirkstoffgehalt in der Regel am höchsten. Keinesfalls in der Mittagshitze oder am späten Abend sammeln. Nach alter Erfahrung geht die Kraft der Kräuter zu diesen Zeiten in die Wurzeln zurück.
  • Übrigens: Einige Kräuter kann man auch auf dem Balkon oder im eigenen Garten anpflanzen.

 

Auf die Zubereitung kommt es an!

Der Aufguss (Tee)

Blätter und Blüten werden mit kochendem Wasser überbrüht, man lässt sie im bedeckten Gefäß 5 bis 10 Minuten ziehen. Danach durch ein Sieb abgießen. Einige Pflanzen werden mit heißem Wasser übergossen und müssen länger ziehen. Warmen Aufguss schluckweise trinken.

Die Abkochung

Man setzt zerkleinerte Pflanzenteile - meist Rinde oder Wurzel - mit kaltem Wasser an und erhitzt sie langsam (15 bis 30 Minuten); nicht länger als 5 Minuten kochen.

Der Kaltauszug

Wenn die Wirkstoffe der Pflanze keine Hitze vertragen, setzt man Pflanzenteile kalt an und lässt sie 5 bis 12 Stunden in einem bedeckten Steingut- oder Porzellangefäß stehen. Nach dem Abseihen soll der Kräuterrückstand nicht ausgedrückt werden, damit die in einigen Kräutern enthaltenen Schadstoffe nicht in den Auszug gelangen. Die wichtigen Bestandteile sind ohnehin schon in der Flüssigkeit gelöst.

Der Extrakt und die Tinktur

Tinkturen sind konzentrierte Pflanzenauszüge, die mit 70prozentigem Alkohol hergestellt werden. Als Extrakte bezeichnet man eingedickte Auszüge aus frischen oder getrockneten Pflanzen oder eingedickte Pflanzensäfte. Beides sollte man nicht selbst herstellen, sondern in der Apotheke kaufen.

Das Öl

In Öl eingelegte Kräuter verwendet man meist zum Einreiben. Auf 1 Teil Pflanzen werden 5 Teile Pflanzenöl (Weizenkeim-, Soja-, oder Olivenöl) gegeben und an einem kühlen, abgedunkelten Ort gelagert. Die Flasche wird luftdurchlässig verschlossen. Nach dem Abgießen durch einen Leinentuch oder einen Filter ist das Öl verwendungsfähig. Nur getrocknete Pflanzen in Öl einlagern.